Legionellen sind gramnegative, stäbchenförmige Bakterien. Insgesamt sind derzeit 57 Legionella-Spezies bekannt. Wenngleich alle Legionellen als potentiell humanpathogen gelten, lösen weniger als die Hälfte Erkrankungen aus. In über 90 Prozent der Fälle ist Legionella pneumophila Auslöser der Legionärskrankheit.
Die wichtigsten Informationen zu Legionellen
Noch mehr Details zu Legionellen finden Sie in unserem umfassenden Infoartikel Was sind Legionellen?
➥ Pneumonie-Erreger: Legionellen gehören zu den häufigsten bakteriellen Auslösern einer ambulant erworbenen Lungenentzündung. Studien gehen davon aus, dass sie für 2–5 % aller Pneumonien verantwortlich sind.
➥ Vorkommen: Sie sind weltweit in geringer Konzentration in natürlichen Süßwasservorkommen wie Flüssen, Seen, Grundwasser und Thermalquellen nachweisbar.
➥ Optimale Bedingungen: Legionellen vermehren sich bevorzugt in warmem Wasser bei Temperaturen zwischen 25 °C und 45 °C. Besonders günstige Bedingungen herrschen bei Stagnation in Leitungen, Speichern oder Installationen mit Biofilmbildung.
➥ Wachstumsgrenzen: Ab 55 °C wird ihre Vermehrung stark gehemmt, bei 60 °C und mehr sterben sie zuverlässig ab. Temperaturen unter 20 °C gelten ebenfalls als wachstumshemmend, jedoch überleben die Bakterien dort längere Zeit.
➥Wasserstagnation: Vor allem in Wasserleitungen und -rohren können Legionellen oft mit erhöhten Keimzahlen einhergehen. Detaillierte Erklärungen zu stehendem Wasser erhalten Sie in unserem Ratgeberartikel Stagnationswasser – oft belastet.
Fieber, Husten und weitere Symptome einer Legionelleninfektion treten häufig zunächst wie eine harmlose Erkältung oder Grippe auf und werden deshalb leicht unterschätzt. Typische Legionellen Symptome reichen von unspezifischem Krankheitsgefühl über Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und trockenem Husten bis hin zu schwerer Atemnot, hohem Fieber und einer ausgeprägten Lungenentzündung. Besonders aufmerksam sollten Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Vorerkrankungen von Herz oder Lunge sowie ältere Menschen sein, da bei ihnen die Legionellen-Erkrankung deutlich schwerer verlaufen und lebensbedrohliche Komplikationen verursachen kann.
➥ Pontiac-Fieber: milde Symptome
Das Pontiac-Fieber gilt als milde Form der Legionelleninfektion, bei der die Legionellen Symptome zwar deutlich spürbar, aber in der Regel nicht lebensbedrohlich sind. Nach einer Inkubationszeit von etwa fünf bis 66 Stunden entwickeln Betroffene grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit und manchmal Husten, ohne dass sich eine Lungenentzündung ausbildet. Die Erkrankung klingt meist innerhalb weniger Tage von selbst ab, und es sind keine Todesfälle bekannt. Dennoch sollte bei wiederkehrenden Beschwerden oder Risikopatienten ärztlicher Rat eingeholt werden.
➥ Symptome der Legionärskrankheit
Die Legionärskrankheit ist die schwere Verlaufsform einer Legionellen-Erkrankung und geht mit ausgeprägten Legionellen Symptomen einher, die auf eine atypische Lungenentzündung hinweisen. Nach einer Inkubationszeit von zwei bis zehn Tagen treten meist plötzlich hohes Fieber, Schüttelfrost, trockener Husten, starke Brustschmerzen, Atemnot sowie Kopf- und Muskelschmerzen auf. Häufig kommen gastrointestinale Beschwerden wie Durchfall und Erbrechen sowie neurologische Symptome wie Benommenheit oder Verwirrtheit hinzu. Unbehandelt oder bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann die Legionärskrankheit eine hohe Sterblichkeit aufweisen, weshalb bei entsprechenden Symptomen und möglicher Belastung des Trinkwassers immer schnellstmöglich eine ärztliche Diagnose und ein Legionellen-Test des Wassers erfolgen sollten.
Wussten Sie schon, dass...
...die Legionärskrankheit erstmals 1976 bei einem Treffen ehemaliger US-Kriegsveteranen („American Legion“) in Philadelphia diagnostiziert wurde? Auf dem Treffen erkrankten gleich mehrere Teilnehmer an einer bis dahin unbekannten Lungenentzündung.
Vorrangig große Warmwasseranlagen mit ausgedehnten Rohrsystemen bieten günstige Lebensbedingungen für Legionellen. Dies gilt insbesondere für ältere und nur unzureichend gewartete Systeme. Um gesundheitsschädliche Konzentrationen von Legionellen im Wasser zu vermeiden, gehören diese seit 2011 laut Trinkwasserverordnung zu den turnusmäßig untersuchungspflichtigen Parametern. Zentrale Warmwasseranlagen müssen im Rahmen einer Legionellenprüfung regelmäßig kontrolliert werden, wenn:
➥ diese ein Speichervolumen von 400 Liter überschreiten oder
➥ die Rohleitung von der Warmwasserbereitung bis zur Entnahmestelle mehr als drei Liter Volumen umfasst.
➥ Der gesetzliche Grenzwert liegt bei 100 Legionellen pro 0,1 Liter. Überschreitungen müssen an das Gesundheitsamt gemeldet werden.
Grenzwert Legionellen: 100KBE/100ml Wasser
➥ Spülen Sie länger unbenutzte Duschen für einige Minuten mit heißem Wasser durch. Machen Sie dies bei geöffnetem Fenster und bleiben Sie dabei nicht im Raum.
➥ Nach Urlaubsreisen oder länger als drei Tagen andauernden Kurzreisen sollten Sie sämtliche Rohrleitungen durchspülen, bis frisches Wasser aus Ihrem Wasserhahn kommt.
➥ Entziehen Sie den Legionellen ihren Nährboden, indem Sie Wasserhähne und Duschköpfe regelmäßig reinigen und entkalken.
➥ Sorgen Sie dafür, dass die Temperatur in den Rohleitungen nicht unter 55 °Celsius fällt und stellen Sie den Temperaturregler zur Trinkwassererwärmung auf mindestens 60 °Celsius.
| 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| gemeldete Erkrankungen an Legionellen in Deutschland |
992 | 881 | 860 | 922 | 655 | 639 |
| Baden-Württemberg | 150 | 101 | 126 | 113 | 101 | 106 |
| Bayern | 193 | 151 | 168 | 159 | 110 | 141 |
| Berlin | 104 | 92 | 74 | 63 | 57 | 60 |
| Brandenburg | 13 | 21 | 10 | 13 | 5 | 7 |
| Bremen | 26 | 23 | 4 | 3 | 5 | 2 |
| Hamburg | 6 | 9 | 13 | 15 | 16 | 13 |
| Hessen | 79 | 58 | 64 | 65 | 47 | 66 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 6 | 5 | 7 | 4 | 13 | 10 |
| Niedersachsen | 52 | 45 | 43 | 32 | 25 | 25 |
| Nordrhein-Westfalen | 219 | 212 | 205 | 319 | 157 | 126 |
| Rheinland-Pfalz | 53 | 41 | 31 | 41 | 42 | 20 |
| Saarland | 9 | 10 | 7 | 12 | 5 | 6 |
| Sachsen | 31 | 48 | 35 | 32 | 22 | 21 |
| Sachsen-Anhalt | 17 | 24 | 20 | 16 | 12 | 8 |
| Schleswig-Holstein | 14 | 17 | 25 | 14 | 14 | 15 |
| Thüringen | 20 | 24 | 29 | 14 | 23 | 18 |
(Quelle: RKI Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten)
Eine Gefährdung zur Übertragung besteht insbesondere an den Stellen, wo warmes Wasser fein verteilt wird, wie bspw. Dusche, Luftbefeuchter, Inhalationsgeräte, etc.
Wasser sieht man nicht an, ob es mit Legionellen belastet ist. Daher sollten Sie bei Verdachtsmomenten nicht zögern und einen Legionellentest durchführen. Gerne beraten wir Sie auch hierzu. Mehr Infos erhalten Sie auch in unserem Beitrag über die Legionellenanalyse!
Eine Legionellenuntersuchung ist beispielsweise für für die Betreiber von gewerblichen und auch von öffentlichen Großanlagen zur Warmwasseraufbereitung verpflichtend.
Zum Weiterlesen:
Herold, Gerd et al.: Innere Medizin. 2013, Köln.
Robert Koch Institut "Legionellose"
NDR.de "Legionellen: Gefährliche Keime im Trinkwasser"
Robert Koch Institut "Epidermologisches Bulletin: Legionärskrankheit in Deutschland"