Legionellen in der Mietwohnung sind kein rein technisches Problem der Hausinstallation, sondern können unmittelbar die Gesundheit der Mieter gefährden und gelten deshalb oft als Mietmangel. Für Mieter ist wichtig zu wissen, wie ein Legionellenbefall im Mehrfamilienhaus überhaupt erkannt wird und welche Pflichten Vermieter nach Trinkwasserverordnung haben, um die Belastung zu prüfen und geeignete Maßnahmen einzuleiten.
Legionellenbefall im Mehrfamilienhaus erkennen
In vielen Mehrfamilienhäusern wird die gesetzlich vorgeschriebene Legionellenprüfung in regelmäßigen Abständen durchgeführt, und Mieter erhalten Informationen über das Ergebnis oder über ein mögliches Duschverbot. Ein Legionellenbefall macht sich jedoch nicht am Aussehen des Wassers bemerkbar, sodass Mieter vor allem auf Mitteilungen des Vermieters, Hinweise im Treppenhaus und typische Legionellen-Symptome in der Bewohnerschaft achten sollten.
Typische Hinweise auf Legionellen im Mietshaus
- Schriftliche Information des Vermieters oder der Hausverwaltung über erhöhte Legionellenwerte
- Aushang über ein Duschverbot oder Nutzungseinschränkungen der Warmwasseranlage
- Ankündigung oder Durchführung einer Legionellenprüfung in der Liegenschaft
- Hinweise auf Sanierungsmaßnahmen an der Trinkwasserinstallation (z. B. thermische Desinfektion)
Rechtliche Grundlagen: Trinkwasserverordnung und Pflichten des Vermieters
Die Trinkwasserverordnung verpflichtet Vermieter bestimmter Mehrfamilienhäuser zur regelmäßigen Untersuchung des Trinkwassers auf Legionellen, wenn eine zentrale Warmwasserbereitung und eine entsprechende Anlagengröße vorliegen. Stellt die Legionellenprüfung einen Legionellenbefall über dem technischen Maßnahmenwert fest, muss der Vermieter unverzüglich eine Gefährdungsanalyse veranlassen, geeignete Maßnahmen ergreifen und die Mieter über die Situation informieren.
Pflichten des Vermieters bei Legionellenbefall
- Durchführung der gesetzlich vorgeschriebenen Legionellenprüfung nach Trinkwasserverordnung
- Information der Mieter über festgestellte Legionellenbefunde und empfohlene Verhaltensregeln
- Einleitung von Sofortmaßnahmen (z. B. Temperaturerhöhung, Spülungen, Duschverbot) bei Überschreitung des Maßnahmenwerts
- Veranlassung einer Gefährdungsanalyse und weiterer Sanierungsmaßnahmen durch Fachbetriebe
Fieber, Husten und weitere Symptome einer Legionelleninfektion treten häufig zunächst wie eine harmlose Erkältung oder Grippe auf und werden deshalb leicht unterschätzt. Typische Legionellen Symptome reichen von unspezifischem Krankheitsgefühl über Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und trockenem Husten bis hin zu schwerer Atemnot, hohem Fieber und einer ausgeprägten Lungenentzündung. Besonders aufmerksam sollten Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Vorerkrankungen von Herz oder Lunge sowie ältere Menschen sein, da bei ihnen die Legionellen-Erkrankung deutlich schwerer verlaufen und lebensbedrohliche Komplikationen verursachen kann.
➥ Pontiac-Fieber: milde Symptome
Das Pontiac-Fieber gilt als milde Form der Legionelleninfektion, bei der die Legionellen Symptome zwar deutlich spürbar, aber in der Regel nicht lebensbedrohlich sind. Nach einer Inkubationszeit von etwa fünf bis 66 Stunden entwickeln Betroffene grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit und manchmal Husten, ohne dass sich eine Lungenentzündung ausbildet. Die Erkrankung klingt meist innerhalb weniger Tage von selbst ab, und es sind keine Todesfälle bekannt. Dennoch sollte bei wiederkehrenden Beschwerden oder Risikopatienten ärztlicher Rat eingeholt werden.
➥ Symptome der Legionärskrankheit
Die Legionärskrankheit ist die schwere Verlaufsform einer Legionellen-Erkrankung und geht mit ausgeprägten Legionellen Symptomen einher, die auf eine atypische Lungenentzündung hinweisen. Nach einer Inkubationszeit von zwei bis zehn Tagen treten meist plötzlich hohes Fieber, Schüttelfrost, trockener Husten, starke Brustschmerzen, Atemnot sowie Kopf- und Muskelschmerzen auf. Häufig kommen gastrointestinale Beschwerden wie Durchfall und Erbrechen sowie neurologische Symptome wie Benommenheit oder Verwirrtheit hinzu. Unbehandelt oder bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann die Legionärskrankheit eine hohe Sterblichkeit aufweisen, weshalb bei entsprechenden Symptomen und möglicher Belastung des Trinkwassers immer schnellstmöglich eine ärztliche Diagnose und ein Legionellen-Test des Wassers erfolgen sollten.
Eine Legionellen-Erkrankung beim Menschen betrifft vor allem Personengruppen, deren Abwehr geschwächt ist oder deren Lunge bereits vorbelastet ist. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, chronisch Kranke, Diabetiker, Raucher, Alkoholabhängige sowie Personen mit Herz- oder Lungenerkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem, bei denen sich die Erkrankung häufig zunächst durch grippeähnliche Beschwerden äußert. Bei diesen Risikogruppen können Legionellen Symptome besonders schwer ausfallen und häufiger zu einer Legionärskrankheit mit schwerer Erkrankung der Lunge führen, die eine frühzeitige Behandlung mit geeigneten Antibiotika in einer Klinik erforderlich machen kann.
Auch Patientinnen und Patienten unter immunsuppressiver Therapie, nach Organtransplantation oder mit Tumorerkrankungen haben ein erhöhtes Risiko, an einer Legionellen-Erkrankung zu erkranken und Komplikationen zu entwickeln. Für alle gefährdeten Personen ist es daher besonders wichtig, mögliche Legionellen Symptome ernst zu nehmen, nicht selbst zu behandeln und bei Verdacht frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen, damit bei Bedarf rasch eine gezielte Diagnostik und Therapie in ärztlicher Betreuung eingeleitet werden kann.
Wer Legionellen Symptome bemerkt, sollte diese nicht auf die leichte Schulter nehmen, insbesondere wenn Fieber, Husten und Atembeschwerden nach Kontakt mit Warmwasser oder Aerosolen auftreten. Bei plötzlich einsetzendem hohen Fieber, Schüttelfrost, starkem Krankheitsgefühl, Brustschmerzen oder Luftnot ist eine rasche ärztliche Abklärung wichtig, damit eine mögliche Legionellen-Erkrankung frühzeitig erkannt und gezielt behandelt werden kann. Teilen Sie der Ärztin oder dem Arzt unbedingt mit, wenn Sie sich in den letzten Tagen in Gebäuden mit großen Warmwasseranlagen, Hotels, Pflegeeinrichtungen, Wellnessbereichen oder Whirlpools aufgehalten haben. Dieser Hinweis auf eine mögliche Belastung des Trinkwassers erleichtert die Diagnose einer Legionärskrankheit oder eines Pontiac-Fiebers und hilft, passende Antibiotika und weitere Behandlungsschritte festzulegen.
Parallel zur medizinischen Abklärung kann es sinnvoll sein, die eigene Trinkwasserinstallation überprüfen zu lassen, insbesondere in Mehrfamilienhäusern, älteren Gebäuden oder wenn bereits erhöhte Legionellenwerte bekannt sind. Ein professioneller Legionellen-Test des Trinkwassers zeigt, ob in der Hausinstallation ein hygienisches Problem vorliegt und ob zusätzliche Maßnahmen wie Temperaturanpassung, Spülpläne oder eine weitergehende Sanierung erforderlich sind.
Legionellen im Trinkwasser: Grenzwerte und Pflichtuntersuchungen
Legionellen im Trinkwasser werden ab einem technischen Maßnahmenwert von 100 KBE pro 100 ml Wasser relevant, weil dann ein erhöhtes Risiko für Legionellen Symptome und Legionärskrankheit besteht. Wird dieser Wert erreicht oder überschritten, verlangt die Trinkwasserverordnung eine Risikoabschätzung, weitergehende Untersuchungen sowie, falls notwendig, eine gezielte Behandlung der Anlage, um die Konzentration der Bakterien wieder zu senken.
Wenn Sie sich intensiver mit den Grenzwerten im Trinkwasser beschäftigen möchten, finden Sie in unserem Infoartikel zur Trinkwasserverordnung zahlreiche zusätzliche Informationen.
Für Großanlagen zur Trinkwassererwärmung, etwa in Mehrfamilienhäusern, Hotels, Pflegeheimen oder Kliniken, gelten verbindliche Pflichtuntersuchungen: Als Großanlage gelten Systeme mit einem Speicherinhalt von mehr als 400 Litern oder einem Leitungsvolumen von über drei Litern zwischen Speicher und entferntester Entnahmestelle. In solchen Anlagen muss das Trinkwasser in regelmäßigen Abständen, je nach Nutzung meist jährlich in öffentlichen Einrichtungen und etwa alle drei Jahre in gewerblich genutzten Wohngebäuden, auf Legionellen untersucht werden. Bei auffälligen Befunden sind das Gesundheitsamt zu informieren, geeignete Sanierungsmaßnahmen einzuleiten und die Nutzer über mögliche Legionellen Symptome zu sensibilisieren.
Wie Sie Ihre Warmwasseranlage legionellensicher betreiben, lesen Sie unter Warmwasser und Legionellen. Noch mehr Details und Hintergründe zu der Pflichtuntersuchung sowie die Möglichkeit, direkt einen Probenehmer zu beauftragen haben wir für Sie in unserem Infoartikel über die Legionellenprüfung gebündelt.
➥ Spülen Sie länger unbenutzte Duschen für einige Minuten mit heißem Wasser durch. Machen Sie dies bei geöffnetem Fenster und bleiben Sie dabei nicht im Raum.
➥ Nach Urlaubsreisen oder länger als drei Tagen andauernden Kurzreisen sollten Sie sämtliche Rohrleitungen durchspülen, bis frisches Wasser aus Ihrem Wasserhahn kommt.
➥ Entziehen Sie den Legionellen ihren Nährboden, indem Sie Wasserhähne und Duschköpfe regelmäßig reinigen und entkalken.
➥ Sorgen Sie dafür, dass die Temperatur in den Rohleitungen nicht unter 55 °C fällt und stellen Sie den Temperaturregler zur Trinkwassererwärmung auf mindestens 60 °C.
Bei erhöhten Befunden sollten Sie sich darüber informieren, wie Sie Legionellen töten und ihre Anzahl im Warmwasser wirkungsvoll reduzieren können.
| 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 157 | 182 | 144 | 165 | 190 |
| Bayern | 218 | 243 | 176 | 217 | 240 |
| Berlin | 111 | 96 | 97 | 86 | 89 |
| Brandenburg | 12 | 21 | 18 | 14 | 21 |
| Bremen | 4 | 4 | 5 | 6 | 7 |
| Hamburg | 11 | 11 | 6 | 11 | 13 |
| Hessen | 66 | 83 | 55 | 72 | 77 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 9 | 9 | 10 | 4 | 9 |
| Niedersachsen | 53 | 72 | 51 | 55 | 60 |
| Nordrhein-Westfalen | 268 | 309 | 249 | 245 | 276 |
| Rheinland-Pfalz | 51 | 64 | 56 | 60 | 68 |
| Saarland | 9 | 6 | 6 | 11 | 7 |
| Sachsen | 38 | 41 | 39 | 47 | 49 |
| Sachsen-Anhalt | 20 | 29 | 24 | 19 | 27 |
| Schleswig-Holstein | 16 | 22 | 21 | 22 | 24 |
| Thüringen | 27 | 25 | 19 | 23 | 24 |
Einen Überblick über die gemeldeten Legionellosefälle in Deutschland bieten die Infektionsepidemiologischen Jahrbücher des Robert Koch-Instituts: Infektionsepidemiologische Jahrbücher.