Legionellen sind stäbchenförmige, gramnegative Wasserbakterien der Gattung Legionella. Für die meisten Erkrankungen beim Menschen ist insbesondere Legionella pneumophila verantwortlich. Legionellen sind keine ungewöhnlichen oder ausschließlich hygienerelevanten Keime, sondern kommen natürlicherweise in der Umwelt vor. Typische natürliche Lebensräume sind Oberflächengewässer wie Seen, Flüsse und Teiche, außerdem bestimmte Grundwasserbereiche sowie feuchte Böden und Sedimente.
In natürlichen Gewässern und auch in Trinkwassersystemen treten Legionellen nur selten in hoher Konzentration frei im Wasser auf. Ihre Vermehrung erfolgt überwiegend in Biofilmen, also mikrobielle Schleimschichten, die sich auf Oberflächen innerhalb von Wasserleitungen, Warmwasserspeichern, Armaturen oder Duschschläuchen bilden. Biofilme bieten Schutz vor Umwelteinflüssen und stellen eine kontinuierliche Nährstoffquelle dar. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Fähigkeit von Legionellen, sich innerhalb freilebender Amöben und anderer Protozoen zu vermehren. Diese Mikroorganismen kommen ebenfalls natürlich im Wasser vor und schaffen geschützte Wachstumsräume. Unter diesen Bedingungen kann sich ein ursprünglich natürliches Vorkommen in einer Wasserleitung zu einer hygienisch relevanten Belastung entwickeln.
Legionellen gelangen nicht durch einzelne Schadereignisse oder externe Verunreinigungen in die Wasserleitung, sondern über den normalen Weg der Trinkwasserversorgung. Da Legionellen natürlicherweise in Oberflächenwasser und Grundwasser vorkommen, können sie bereits in sehr geringer Konzentration im Rohwasser enthalten sein. Die Aufbereitung in Wasserwerken reduziert Keime zuverlässig auf ein hygienisch unbedenkliches Maß, führt jedoch nicht zu vollständig keimfreiem Wasser. Damit können Legionellen in Spuren über das öffentliche Versorgungsnetz bis in Gebäudeinstallationen gelangen.
Ein weiterer Eintragsweg ist die Hausinstallation selbst. Bei Neubauten, Umbauten oder Reparaturen können Legionellen über bereits kontaminierte Bauteile, Schläuche, Armaturen oder Speicher eingebracht werden, insbesondere wenn diese nicht hygienisch gelagert oder gespült wurden. Auch während längerer Bauphasen oder bei Erstbefüllungen verbleibt Wasser oft über Tage oder Wochen in Leitungen, was vorhandenen Legionellen das Überleben ermöglicht. Nach der Inbetriebnahme werden sie dann in das gesamte Leitungssystem verteilt.
Zusätzlich können Legionellen innerhalb der Wasserleitung über bestehende Biofilme weitergegeben werden. Beim Austausch einzelner Komponenten oder bei Druckschwankungen lösen sich Teile dieser Biofilme und verteilen die Bakterien im System. Auf diese Weise breiten sich Legionellen innerhalb einer Installation aus, ohne dass eine neue äußere Kontamination erforderlich ist. Die Wasserleitung selbst wird damit vom Transportmedium zur dauerhaften Quelle.
Legionellen vermehren sich nicht beliebig, sondern nur unter bestimmten physikalischen und biologischen Bedingungen. Voraussetzung ist zunächst Wasser, in dem sie überleben können. Ihre eigentliche Vermehrung findet jedoch überwiegend nicht frei im Wasser statt, sondern in geschützten Mikrohabitaten innerhalb der Wasserleitung. Dazu zählen Biofilme auf Innenoberflächen sowie die Zellen freilebender Amöben und anderer Protozoen, die im Trinkwasser natürlicherweise vorkommen. Legionellen gedeihen darin sehr gut.
Wenn sich Biofilme bilden, sind darin Legionellen vor Temperaturspitzen, Desinfektionsmaßnahmen und hydraulischen Einflüssen geschützt. Gleichzeitig stehen ihnen dort kontinuierlich Nährstoffe zur Verfügung, etwa aus organischen Spurenstoffen, Ablagerungen oder Korrosionsprodukten. Besonders effektiv ist die Vermehrung innerhalb von Amöben. Legionellen dringen in diese Einzeller ein, vermehren sich dort in hoher Zahl und werden anschließend wieder ins Wasser freigesetzt.
Dieser Mechanismus ähnelt einer natürlichen Brutstätte und erhöht sowohl die Keimzahl als auch die Widerstandsfähigkeit der Bakterien.
Die Vermehrungsrate wird maßgeblich durch die Wassertemperatur beeinflusst. Legionellen beginnen sich ab etwa 20 Grad Celsius langsam zu vermehren, erreichen ihr optimales Wachstum zwischen 25 und 45 Grad Celsius und überleben auch Temperaturen bis etwa 50 Grad Celsius. Erst bei dauerhaft höheren Temperaturen wird ihre Vermehrung zuverlässig unterbunden oder die Bakterien abgetötet. Treffen geeignete Temperaturen, Biofilmstrukturen und ausreichend lange Verweilzeiten des Wassers zusammen, kann sich die Konzentration von Legionellen in der Wasserleitung innerhalb kurzer Zeit deutlich erhöhen.
Legionellen in der Wasserleitung können beim Menschen schwere gesundheitliche Folgen auslösen, sobald kontaminiertes Wasser in feine Tröpfchen (Aerosole) zerstäubt wird, zum Beispiel beim Duschen oder Händewaschen. Die eingeatmeten Bakterien können zu einer Legionellose führen, die sich als schwere Lungenentzündung oder als grippeähnliche Erkrankung mit Fieber, Husten und Muskelschmerzen äußert. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Rauchende und Personen mit geschwächtem Immunsystem.
Ausführliche Informationen zu typischen Symptomen und zur medizinischen Einordnung finden Sie hier: Legionellen Symptome: So erkennen Sie eine Infektion
Für Legionellen gelten in Deutschland keine klassischen Grenzwerte im Sinne eines absoluten Verbots, sondern sogenannte technische Maßnahmenwerte. Diese sind in der Trinkwasserverordnung festgelegt und dienen als Schwellenwert, ab dem geprüft und gehandelt werden muss. Ziel ist nicht die vollständige Keimfreiheit, sondern die Vermeidung einer gesundheitsrelevanten Belastung.
✅ Unter 100 KBE pro 100 ml: Der technische Maßnahmenwert wird nicht erreicht. In der Regel besteht kein unmittelbarer Handlungsbedarf, ein ordnungsgemäßer Betrieb der Trinkwasserinstallation gilt als gegeben.
❌ Ab 100 KBE pro 100 ml: Der technische Maßnahmenwert ist erreicht oder überschritten. Es besteht Untersuchungs- und Handlungsbedarf, einschließlich Ursachenanalyse und Prüfung geeigneter Maßnahmen.
❌❌ Deutlich erhöhte Konzentrationen: Bei stark erhöhten Werten sind weitergehende Maßnahmen erforderlich, etwa zur Risikominimierung, zur Information der Nutzer und zur gezielten Sanierung der Anlage.
Der technische Maßnahmenwert ist bewusst als präventives Instrument ausgelegt. Er kennzeichnet keine akute Gesundheitsgefahr, sondern signalisiert, dass bereits Legionellen wachsen und die Bedingungen in der Wasserleitung eine Vermehrung von Legionellen begünstigen und korrigiert werden müssen.
Der wirksamste Schutz vor Legionellen ist eine konsequente Prävention. Nach Einschätzung des Umweltbundesamtes ist das Auftreten gesundheitsrelevanter Legionellenprobleme bei fachgerechter Planung, Ausführung und beim regelkonformen Betrieb von Trinkwasserinstallationen grundsätzlich unwahrscheinlich.
Entscheidend sind die Einhaltung der empfohlenen Temperaturvorgaben, die Vermeidung von Stagnation sowie eine sachgerechte Nutzung und Wartung der Anlage. Dazu zählt:
- Temperaturmanagement
- regelmäßiger Durchfluss der Leitungen
- Fachgerechte Spülung nach längerer Stagnation
- Totleitungen vermeiden, um stagnierendem Wasser zuvorzukommen
Temporäre Maßnahmen wie sogenannte Legionellenschaltungen oder chemische Desinfektionen können eine regelgerechte Installation nicht ersetzen und sind nur in begründeten Ausnahme- oder Sanierungsfällen sinnvoll. Für Privatpersonen bedeutet Prävention vorwiegend eine korrekte Temperaturführung, regelmäßige Nutzung aller Entnahmestellen und eine gute Hygiene der Armaturen.
Ausführliche Informationen zur Legionellenprävention finden Sie hier: Legionellen abtöten abtöten – So funktioniert es
Bei begründetem Verdacht auf einen Legionellenbefall in der Wasserleitung ist schnelles und systematisches Handeln erforderlich.
Unser Legionellentest bietet eine verlässliche Maßnahme, um eine belastbare Aussage über den mikrobiologischen Zustand Ihrer Wasserleitung zu erhalten. Der Test ist für den Einsatz in Trinkwasserinstallationen konzipiert und ermöglicht eine unkomplizierte Probenahme. Nach Einsendung der Wasserprobe erhalten Sie eine fachlich fundierte Auswertung, aus der klar hervorgeht, ob die Konzentration der Legionellen den technischen Maßnahmenwert überschreitet. Auf dieser Grundlage lassen sich weitere Schritte – von der Ursachenanalyse bis zur Umsetzung gezielter Maßnahmen – sachgerecht planen.
Auch geeignet für die gesetzliche routinemäßige Überprüfung von Wasserinstallationen.
Wenn Ihre Wasserleitungen bereits Legionellen beheimaten, sind gezielte Maßnahmen erforderlich, um die gesundheitliche Gefahr zu reduzieren und eine erneute Vermehrung zu verhindern. Geeignete Maßnahmen umfassen thermische Desinfektionen durch kurzzeitiges Erhöhen der Warmwassertemperatur, systematische Spülungen selten genutzter Leitungen, die Optimierung der Temperaturführung im gesamten System und, falls notwendig, bauliche Anpassungen der Trinkwasserinstallation. In einzelnen Fällen, in denen Legionellen festgestellt werden, kann auch der Einsatz zusätzlicher technischer Lösungen sinnvoll sein, um die Wasserqualität nachhaltig zu verbessern.
Wie Legionellen wirkungsvoll abgetötet werden können, welche Verfahren zur Verfügung stehen und wie sie korrekt angewandt werden, erfahren Sie hier Legionellen abtöten – so funktioniert es
Eine gesetzliche Pflicht zur Legionellenprüfung besteht nicht für alle Gebäude, sondern richtet sich nach Art der Nutzung und der Trinkwasserinstallation. Maßgeblich sind dabei die Vorgaben der Trinkwasserverordnung. Eine Untersuchung ist immer dann verpflichtend, wenn von einer zentralen Trinkwassererwärmungsanlage ein potenzielles Risiko für mehrere Personen ausgeht. Das sind Betreiber:innen von …
👉 Mehrfamilienhäusern mit zentraler Warmwasserbereitung.
👉 gewerblich genutzten Immobilien, etwa Hotels, Pensionen oder Wohnheimen.
👉 offentlichen Einrichtungen wie Krankenhäusern, Pflegeheimen, Schulen oder Sportstätten.
👉 Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden Duschen oder vergleichbare Trinkwasserinstallationen bereitstellen.
Keine generelle Untersuchungspflicht besteht in selbst genutzten Ein- oder Zweifamilienhäusern. Dennoch kann auch hier eine freiwillige Legionellenprüfung sinnvoll sein, um Risiken frühzeitig zu erkennen und Klarheit über die Wasserqualität zu erhalten.
Was sind Legionellen und wo kommen sie natürlicherweise vor?
Legionellen sind Wasserbakterien, die in Oberflächengewässern, Grundwasser sowie in feuchten Böden und Sedimenten vorkommen. In Trinkwasser sind sie meist nur in sehr geringen Konzentrationen vorhanden. Relevant werden sie vor allem dann, wenn sich Bedingungen in der Hausinstallation ungünstig entwickeln.
Wie kommen Legionellen in meine Wasserleitung?
Legionellen gelangen typischerweise über die normale Trinkwasserversorgung in Spuren bis in Gebäudeinstallationen, weil Trinkwasser nicht steril ist. Zusätzlich können sie bei Neubau, Umbau oder Reparaturen über Bauteile, Armaturen oder Schläuche eingetragen und anschließend innerhalb der Installation weiter verteilt werden.
Wie vermehren sich Legionellen in der Wasserleitung?
Die Vermehrung erfolgt überwiegend in Biofilmen auf Innenoberflächen sowie in freilebenden Amöben und anderen Protozoen. Diese Mikrobereiche schützen Legionellen und begünstigen Wachstum. Die Temperatur ist dabei zentral: besonders kritisch ist der Bereich, in dem Warmwasser nicht ausreichend heiß und Kaltwasser nicht ausreichend kalt geführt wird.
Wie steckt man sich mit Legionellen an?
Eine Infektion erfolgt in der Regel durch das Einatmen von Aerosolen, also feinsten Wassertröpfchen, zum Beispiel beim Duschen. Das Trinken von Wasser ist in den meisten Fällen nicht der Hauptübertragungsweg, entscheidend ist die Aufnahme über die Atemwege.
Welche Gesundheitsgefahren bestehen?
Legionellen können eine Legionellose auslösen, insbesondere eine schwere Lungenentzündung. Häufige Warnzeichen sind Fieber, Husten und ein deutliches Krankheitsgefühl. Höheres Risiko haben ältere Menschen, Rauchende und Personen mit geschwächtem Immunsystem.
Welche Temperaturen helfen, Legionellen zu vermeiden?
Für die Praxis gilt: Warmwasser sollte am Speicher typischerweise auf mindestens 60 °C geführt werden. Kaltwasser sollte dauerhaft unter 20 °C bleiben. Abweichungen, zum Beispiel lauwarme Leitungsabschnitte, erhöhen das Risiko.
Was bedeutet der technische Maßnahmenwert von 100 KBE pro 100 ml?
Der Wert 100 KBE/100 ml ist ein technischer Maßnahmenwert. Wird er erreicht oder überschritten, besteht in der Regel Handlungsbedarf: Ursachenanalyse, geeignete Maßnahmen und je nach Fall weitere Schritte im Rahmen der Betreiberpflichten.
Wer ist zur Legionellenprüfung verpflichtet?
Eine Prüfung ist vor allem dann relevant, wenn eine zentrale Warmwasseranlage mehrere Nutzer versorgt, zum Beispiel in Mehrfamilienhäusern oder in gewerblichen bzw. öffentlichen Objekten. Häufig betrifft das Vermieter und Betreiber von Gebäuden mit entsprechender Installation und Nutzung.
Wie oft muss auf Legionellen geprüft werden?
In vielen prüfpflichtigen Konstellationen erfolgt die Untersuchung regelmäßig, häufig im Drei-Jahres-Rhythmus. Wir empfehlen eine jährliche Kontrolle, um frühzeitig reagieren zu können.
Was tue ich bei Verdacht auf Legionellen?
Bei Verdacht ist der verlässlichste Schritt eine zielgerichtete Untersuchung, um Klarheit zu gewinnen. Ein Legionellentest liefert eine belastbare Grundlage für weitere Entscheidungen, zum Beispiel ob Maßnahmen notwendig sind. Den passenden Test finden Sie hier: https://www.test-wasser.de/wassertest/legionellentest.
Was sollte ich nach längerer Abwesenheit tun?
Nach Urlaub oder Leerstand sollten Sie alle Entnahmestellen gründlich spülen, bis konstant kalt bzw. konstant heißes Wasser anliegt. Ziel ist es, Stagnationswasser aus der Installation zu entfernen und die Anlage wieder in den normalen Betrieb zu bringen.
Reichen sogenannte Legionellenschaltungen oder chemische Desinfektion als Dauerlösung?
Temporäre Temperaturerhöhungen und chemische Desinfektionen können in Einzelfällen helfen, ersetzen aber keine regelgerechte Planung, Ausführung und einen hygienisch einwandfreien Betrieb. Dauerhafte Sicherheit entsteht primär durch korrekte Temperaturführung, Vermeidung von Stagnation und eine passende Installation.
Welche Sofortmaßnahmen sind bei bestätigten hohen Werten sinnvoll?
Bei bestätigten erhöhten Werten stehen zunächst Risikoreduktion und Ursachenklärung im Vordergrund, zum Beispiel durch Anpassung der Temperaturen, Spülmaßnahmen und die Prüfung der Zirkulation. Welche Verfahren Legionellen wirksam reduzieren oder abtöten, lesen Sie hier: https://www.test-wasser.de/legionellen-toeten.
Kann ich die Kosten einer Legionellenprüfung als Vermieter umlegen?
In der Praxis werden Kosten der Legionellenprüfung häufig als Teil der Betriebskosten behandelt, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind und die Abrechnung korrekt erfolgt. Für eine rechtssichere Einordnung sind Mietvertrag, Abrechnungsgrundlagen und die geltenden Vorgaben maßgeblich.
Warum sind Duschkopf und Perlator wichtig?
Armaturen können Biofilme und Ablagerungen begünstigen. Regelmäßiges Reinigen und Entkalken von Duschkopf und Perlator reduziert hygienische Risiken und unterstützt die Prävention, ersetzt aber keine korrekte Temperaturführung in der Installation.