Legionellen sind natürlich vorkommende Wasserbakterien, die sich vorwiegend in warmem Leitungswasser vermehren. Problematisch werden sie, wenn sie sich in Wasserleitungen stark ausbreiten.
Gesundheitsrelevant sind Legionellen vorrangig dann, wenn sie über fein zerstäubtes Wasser eingeatmet werden, zum Beispiel beim Duschen. So können sie Atemwegserkrankungen bis hin zu einer schweren Lungenentzündung auslösen.
Wie Legionellen in der Wasserleitung entstehen, welche Ursachen dahinterstecken und was das konkret für Hausinstallationen bedeutet, lesen Sie hier: Legionellen in der Wasserleitung.
Legionellen sind in der Schwangerschaft relevant, da sie beim Einatmen belasteter Aerosole eine Infektion der unteren Atemwege bis hin zur Legionärskrankheit auslösen können. Während der Schwangerschaft kommt es zu immunologischen Anpassungen, insbesondere einer veränderten zellulären Immunantwort, wodurch Infektionen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung tendenziell schwerer verlaufen können.
Das grundsätzliche Infektionsrisiko ist zwar auch für Schwangere insgesamt gering und nicht grundsätzlich höher als bei gesunden Erwachsenen, jedoch steigt bei einer Infektion die Wahrscheinlichkeit eines komplizierteren Verlaufs.
Für die Mutter besteht das Risiko einer schweren Pneumonie mit systemischen Komplikationen wie hohem Fieber, respiratorischer Insuffizienz oder im Einzelfall intensivpflichtigen Verläufen. Für das ungeborene Kind besteht kein direktes Infektionsrisiko durch Legionellen. Indirekte Auswirkungen sind jedoch möglich, vornehmlich bei schweren mütterlichen Verläufen: Dazu zählen Fieber, eine reduzierte Sauerstoffversorgung (Hypoxie) sowie eine allgemeine Belastung des Organismus, die in Einzelfällen mit Komplikationen wie vorzeitigen Wehen oder Wachstumsbeeinträchtigungen assoziiert sein können. Eine gezielte Prävention und frühzeitige Risikominimierung sind daher zentral.
In Deutschland gilt gemäß Trinkwasserverordnung ein technischer Maßnahmenwert von 100 koloniebildenden Einheiten (KBE) pro 100 ml Wasser. Wird dieser Wert überschritten, sind weitergehende Untersuchungen und Maßnahmen erforderlich. Wichtig ist dabei: Der Grenzwert markiert keinen akuten Gefahrenwert, sondern einen Schwellenwert zur Risikobewertung und Prävention.
Eine Ansteckung erfolgt i. d. R. über das Einatmen von legionellenhaltigen Aerosolen, also fein zerstäubtem Wasser, etwa beim Duschen, in Whirlpools oder bei bestimmten technischen Anlagen. Das Trinken von Wasser stellt hingegen auch für Schwangere kein besonderes Risiko dar. Insgesamt ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion auch bei vorhandenen Legionellen vergleichsweise gering und hängt stark von der Konzentration der Bakterien, der Dauer der Exposition und individuellen Risikofaktoren ab. Dennoch steigt freilich mit zunehmender Belastung und häufiger Exposition das Risiko.
Mehr über die Symptome einer Legionelleninfektion erfahren Sie in unserem Ratgeber: Legionellen Symptome: So erkennen Sie eine Infektion.
Während der Schwangerschaft steht die konsequente Minimierung potenzieller Exposition im Vordergrund. Da eine Ansteckung ausschließlich über das Einatmen von Aerosolen erfolgt, ist insbesondere der Umgang mit Duschen und Warmwasser entscheidend.
Praktisch relevant ist: Lassen Sie Wasserleitungen, die länger nicht genutzt wurden, vor Gebrauch mehrere Minuten heiß durchlaufen. Achten Sie darauf, dass die Warmwassertemperatur dauerhaft über 60 °C liegt, da sich Legionellen unterhalb dieser Temperatur besser vermehren. Vermeiden Sie möglichst das Einatmen von Wasserdampf in potenziell belasteten Systemen, etwa indem Sie beim ersten Durchspülen Abstand halten oder den Raum gut lüften.
In Risikosituationen, zum Beispiel nach längerer Abwesenheit, in älteren Gebäuden oder bei bekannten Belastungen, kann eine Wasseranalyse sinnvoll sein, um die tatsächliche Exposition objektiv zu bewerten. Insgesamt gilt: Durch einfache, gezielte Maßnahmen lässt sich das ohnehin geringe Infektionsrisiko in der Schwangerschaft weiter deutlich reduzieren.
Kurze Checkliste
✅Wasser vor Nutzung einige Zeit heiß laufen lassen, besonders nach längerer Stagnation
✅Warmwassertemperatur dauerhaft über 60 °C halten
✅Ersten Wasserdampf möglichst nicht einatmen, Abstand halten und gut lüften
✅Selten genutzte Leitungen regelmäßig spülen
✅Duschen statt Baden bevorzugen
✅Bei Unsicherheit oder Risikosituationen eine Wasseranalyse durchführen
✅Bei bekannten Belastungen Kontakt mit Vermieter oder Fachbetrieb aufnehmen
Die zuverlässigste Methode, um ein mögliches Risiko realistisch zu bewerten, ist ein Legionellentest. Statt Unsicherheit oder pauschaler Annahmen erhalten Sie eine klare, messbare Grundlage für Ihre Entscheidung.
Der Ablauf ist einfach: Sie entnehmen selbst eine Wasserprobe an einer relevanten Entnahmestelle, zum Beispiel an der Dusche. Die Probe wird anschließend im Labor mikrobiologisch untersucht und die Konzentration der Legionellen bestimmt. Das Ergebnis zeigt, ob Handlungsbedarf besteht oder nicht.
Wenn Sie Klarheit schaffen möchten, können Sie hier direkt starten: Legionellentest für Ihr Wasser
Was tun bei einem positiven Befund?
✅ Nutzung betroffener Entnahmestellen zunächst einschränken oder anpassen✅ Vermieter oder Eigentümer informieren
✅ Fachbetrieb oder Installateur zur Ursachenanalyse hinzuziehen
✅ Maßnahmen zur Sanierung einleiten (z. B. thermische Desinfektion)
✅ Nachkontrolle durch erneute Messung durchführen
✅ Bei Unsicherheit professionelle Beratung in Anspruch nehmen
Wir unterstützen Sie dabei jederzeit mit fachlicher Beratung und konkreten Handlungsempfehlungen. Von der Bewertung Ihres Ergebnisses bis zur nächsten Maßnahme stehen wir Ihnen zuverlässig zur Seite.
Fazit: Legionellen in der Schwangerschaft richtig einordnen
Legionellen stellen in der Schwangerschaft ein grundsätzlich vermeidbares Risiko dar, das hauptsächlich durch das Einatmen belasteter Aerosole entsteht. Das Infektionsrisiko ist insgesamt gering, kann jedoch bei einer tatsächlichen Infektion zu schwereren Verläufen führen als bei nicht schwangeren Erwachsenen. Für das ungeborene Kind besteht kein direktes Risiko, indirekte Auswirkungen sind jedoch bei schweren mütterlichen Erkrankungen möglich.
Entscheidend ist eine sachliche Bewertung: Nicht jede Wasserleitung ist betroffen, und mit einfachen Maßnahmen wie dem Durchspülen von Leitungen, ausreichender Warmwassertemperatur und reduziertem Kontakt mit Aerosolen lässt sich das Risiko effektiv minimieren. Die größte Sicherheit bietet jedoch eine gezielte Wasseranalyse. Sie schafft Klarheit und ermöglicht es, bei Bedarf frühzeitig und kontrolliert zu handeln.