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04
Mai 2016

Blei im Leitungswasser

Was ist Blei und wie gelangt es ins Leitungswasser?

Blei zählt zu den Schwermetallen, die aus ganz unterschiedlichen Quellen ins Trinkwasser gelangen können. So sind z.B. Abwässer aus der Metallver- und –bearbeitung und anderen Industriezweigen sowie Deponiesickerwässer häufig mit Schwermetallen belastet. Ins Leitungswasser gelangt Blei jedoch meist durch Bleirohre oder bleihaltige Armaturen. Blei gilt als toxisches Schwermetall, d.h., dass seine Aufnahme zu gesundheitlichen Beschwerden führen kann. Nach heutigem Kenntnisstand kann es die Blutbildung und Intelligenzentwicklung von Ungeborenen und Kindern stören. Bei Erwachsenen kann es Nierenerkrankungen und Bluthochdruck auslösen.
Aus diesem Grund darf Blei als Rohrleitungsmaterial heutzutage nicht mehr verwendet werden und es dürfen auch keine Bleirohre mehr in Häusern vorhanden sein. Leider kann man sich jedoch als Mieter nicht immer darauf verlassen, dass dies der Fall ist. Auch Eigentümer älterer Immobilien sind vielleicht nicht unbedingt genauestens darüber informiert, welches Rohrleitungsmaterial beim Bau ihres Hauses verwendet wurde.
Prinzipiell kann man sagen, dass nicht überall in Deutschland Wasserrohre aus Blei in gleichem Maße zum Einsatz kamen. In Württemberg und Bayern wurde die Verwendung von Blei für Wasserleitungen aufgrund des Gesundheitsrisikos bereits im Jahr 1878 verboten. Im gesamten süddeutschen Raum dürften sich daher nur sehr vereinzelt Bleirohre finden. Auch im restlichen Bundesgebiet müssen Wasserrohre in älteren Häusern nicht unbedingt aus Blei beschaffen sein. Seit 1973 wurden in ganz Deutschland aufgrund eines Verbots keine Bleileitungen mehr verlegt. Häuser, die vor diesem Jahr erbaut wurden, wurden auch oft mit Wasserleitungen aus anderen Materialien, wie z.B. Kupfer oder verzinktem Stahl, ausgestattet.

Als grobe Orientierung kann man folgendes zur Häufigkeit von Bleirohren in Häusern festhalten:

  • Süddeutschland: generell sehr selten
  • vor 1945 gebaut: häufig
  • bis 1973 gebaut: möglich
  • nach 1973 gebaut: unwahrscheinlich

 

Welcher Grenzwert für Blei im Trinkwasser existiert?

blei trinkwasserDie Trinkwasserverordnung gibt in Deutschland einen Grenzwert für Blei im Trinkwasser vor, der nicht überschritten werden darf. Dieser wurde im Jahr 2013 von 0,025 mg/l auf 0,010 mg/l herabgesetzt. Der neue Grenzwert ist nun so niedrig, dass er nur eingehalten werden kann, wenn keine Bleirohre mehr im Haus verbaut sind. Womöglich vorhandene Bleirohre müssen durch Rohre aus besser geeigneten Werkstoffen ausgetauscht werden.
Der Wasserversorger ist für die Einhaltung dieses Grenzwerts sind bis zur Wasseruhr im Haus verantwortlich. Für die Trinkwasserqualität nach der Wasseruhr müssen Hauseigentümer und Wohnungseigentümergemeinschaften sorgen. Durch den Genuss von Leitungswasser dürfen die Mieter zu keiner Zeit einer Gesundheitsgefährdung ausgesetzt sein.
Alle Mieter und Nutzer müssen vom Vermieter bzw. Verwalter eines Hauses darüber informiert werden, ob Bleirohre im Haus vorhanden sind.


Wie stelle ich fest, ob ich Bleirohre im Haus habe?

Zuerst empfiehlt es sich, den Vermieter zu befragen. Zusätzlich kann man nach Angaben des DVGW auch selbst aktiv im Keller kontrollieren, ob dort Bleileitungen vorhanden sind. Bleirohre sind silbergrau, lassen sich mit einem Messer leicht einritzen oder abschaben und klingen dumpf, wenn man z.B. mit einem Schraubenzieher dagegen klopft. Außerdem sind Bleirohre nicht magnetisch. Bei nicht sichtbar verlegten Bleirohren kann ein Sanitär- oder Heizungsinstallateur weiterhelfen.
Um festzustellen, dass kein mit Blei belastetes Leitungswasser aus dem Hahn kommt, empfiehlt sich auch ein Wassertest auf Blei. Vor der Probenahme sollte das Wasser mindestens vier Stunden in der Leitung gestanden haben. So kann eine Einschätzung der Abgabe von Blei ans Leitungswasser erfolgen, wenn die Bewohner normalerweise vor der Entnahme kein Wasser ablaufen lassen.


Ich habe keine Bleirohre, aber trotzdem Blei im Leitungswasser – warum?

Wenn keine Bleirohre in Ihrem Haus vorhanden sind, aber sich bei einem Wassertest bzw. ausführlichen Trinkwasseranalyse trotzdem leicht erhöhte Bleiwerte ergeben, kann dies zwei verschiedene Gründe haben. Zum einen sind manchmal verzinkte Stahlrohre mit Blei verunreinigt. Zum anderen können die Messinglegierungen von Mischbatterien Blei enthalten. Auch Legierungen aus Rotguss können geringe Anteile an Blei, Nickel und anderen Schwermetallen enthalten, die bei einer Stagnation des Wassers in den Leitungen an das Wasser abgegeben werden können.

 

Wie vermeide ich Blei im Leitungswasser?

Um die Menge von Blei im Leitungswasser zu reduzieren, lassen Sie immer nach einer Standzeit von ca. vier Stunden das Wasser vor dem Konsum so lange ablaufen, bis es kalt und frisch aus der Leitung kommt. Das Wasser können Sie während des Ablaufens auffangen und zum Gießen oder Putzen verwenden.
Sind noch Bleirohre im Haus vorhanden kann ein Vorlauf jedoch nur eine Übergangslösung sein. Dieses Vorgehen gibt keine Sicherheit, dass der Bleigehalt soweit gesenkt wird, dass er Ungeborene, Babys und Kinder nicht gefährdet. Dann ist es ratsam, auf geeignetes Mineralwasser aus der Flasche zurückzugreifen.
Wenn feststeht, dass Ihr Trinkwasser zu viel Blei enthält und dafür die Hausleitungen verantwortlich sind, ist der Vermieter für einen Austausch zuständig. Sprechen Sie am besten mit ihm darüber, was getan werden kann. Fragen zu Bleirohren vor der Wasseruhr beantwortet Ihnen Ihr örtlicher Wasserversorger.


Referenzen:

Franz-Xaver Reichl: Moderne Umweltmedizin. Umweltbelastungen, Diagnostik, Therapie.
Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.: Blei und Trinkwasser. URL: http://www.dvgw.de/wasser/informationen-fuer-verbraucher/blei-im-trinkwasser/
Birgit Noack: Trinkwasserverordnung für Vermieter und Verwalter.