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27
Sep 2016
So einfach können Sie Bleirohre erkennen

Bleirohre erkennen – so funktioniert’s!

 

Bleirohre erkennen – zum Schutz Ihrer Gesundheit

Um die Jahrhundertwende war Blei wegen seiner technisch ausgezeichneten Eigenschaften ein beliebtes Material für Wasserleitungen. Auch heute noch finden sich in einigen Häusern, die vor dem Jahr 1973 gebaut wurden, Wasserrohre aus Blei. Besonders Gebäude in Nord- und Ostdeutschland sind betroffen, da die Verlegung von Bleirohren für die Trinkwasserinstallation in ganz Deutschland erst seit 1973 verboten ist. Häuser in Süddeutschland sind wesentlich seltener betroffen, da hier ein solches Verbot bereits seit 1878 besteht.


In den letzten Jahrzehnten haben Wissenschaftler die toxische Wirkung von Blei intensiv erforscht. Wasser aus Bleirohren reichert sich durch Korrosion langfristig mit Blei an.1 Auch wenn nur kleine Mengen an Blei an das Wasser abgegeben werden, führt regelmäßiges Trinken und Verwenden dieses Wasser zu erheblichen Erkrankungen. Besonders Schwangere, Babys und Kleinkinder sind gefährdet. Blei kann zu einer verminderten geistigen Entwicklung und Blutbildung bei Ungeborenen, Säuglingen und Kleinkindern führen. Ebenso verursacht es Nieren- und Leberschäden und kann Ursache für Hyperaktivität und andere Verhaltensstörungen sein.2

 

Bleirohre optisch erkennen – so einfach geht’s! 

Grundsätzlich sind Haus- und Wohnungseigentümer dafür verantwortlich, dass die in der Trinkwasserverordnung festgesetzten Grenzwerte nicht überschritten werden. Vermieter müssen ihre Mieter darüber informieren, ob es Bleirohre im Haus gibt. Häuser, die bis 1973 erbaut wurden, sollten daher – wenn nicht bereits geschehen – auf etwaige Bleileitungen überprüft werden. Gegebenenfalls müssen diese durch neue Leitungen ersetzt werden. Die Kosten hierfür dürfen nicht auf den Mieter umgelegt werden.


Wenn Sie Ihr Haus auf Bleirohre prüfen möchten, schauen Sie sich die freigelegten Rohre an der Wasseruhr oder unter dem Waschbecken in der Küche genauer an. Bleirohre können Sie an folgenden Merkmalen erkennen:3


•    Bleileitungen haben keine verschraubten Verbindungen, sondern sind gelötet. Die Lötstellen sehen „wulstig“ aus.

•    Klopfen Sie mit einem metallischen Gegenstand gegen ein Bleirohr, ertönt ein dumpfes Geräusch.

•    Da Blei ein weiches Material ist, lässt es sich leicht – zum Beispiel mit einer Münze – einritzen. Der entstandene Ritz ist silbrig.

•    Bleirohre sind nicht magnetisch.

•    Bleirohre erkennen Sie daran, dass der Durchmesser variiert.

•    Aufgrund der Weichheit von Blei, sind die Leitungen geschwungen oder in weiten Bögen verlegt. Winkelstücke aus Blei gibt es nicht.

•    Nicht gestrichene Bleirohre sind silbergrau.


Auch wenn Sie bei einer optischen Überprüfung keine Bleirohre erkennen konnten, ist es möglich, dass andere nicht sichtbare Teile des Wasserleitungssystems im Haus noch aus Bleileitungen bestehen. Im Zweifel lassen Sie sich die Unterlagen vom Hausbau beziehungsweise einer etwaigen Sanierung zeigen. Zusätzlich können Sie eine Trinkwasseranalyse in einem entsprechenden Fachlabor durchführen lassen, um auf Nummer sicher zu gehen.

 

Was tun, wenn mein Trinkwasser aus Bleileitungen kommt?

In diesem Fall steht der Eigentümer der Immobilie in der Pflicht. Eine Abgabe von Trinkwasser, welches den Grenzwert für Blei überschreitet, ist streng verboten. Der vorgegebene Grenzwert von 10 µg/l ist dabei so angesetzt, dass er nur eingehalten werden kann, wenn es keine Bleirohre mehr im gesamten Gebäude gibt.4
Nicht selten spielen Vermieter beziehungsweise Eigentümer von Immobilien die Gefahren durch Bleirohre herunter: Sie raten zu Wasserfiltern oder vorherigem Abkochen. Beides ist jedoch nicht ausreichend: Filter am Wasserhahn erfüllen die Anforderungen der Trinkwasserverordnung dauerhaft nicht. Vorheriges Abkochen des Wassers ist als Gegenmaßnahme nicht geeignet, da dies zwar Bakterien abtötet, aber auf Schwermetalle keinerlei Wirkung hat.


Auch der alleinige Austausch von betroffenen Rohren in der Küche ist nicht ausreichend. Da das Leitungswasser im Badezimmer ebenfalls unter die Trinkwasserverordnung fällt, dürfen hier ebenfalls keine Bleirohre mehr verlegt sein. Dies gilt für alle im Haus befindlichen Wasserohre, die Teil der Trinkwasserversorgung sind. Ein Austausch aller vorhandenen Bleirohre durch Rohre aus unbedenklichen Materialien ist also nicht nur unumgänglich, sondern für Hausbesitzer und Wohnungseigentümer verpflichtend.5

 

Weiterführende Referenzen:

1 Niedersächsisches Landesgesundheitsamt: Informationsseite zur gesundheitlichen Wirkung von Blei

2 Spiegel Online: Bleihaltige Wasserleitungen müssen ausgetauscht werden (Artikel vom 06.05.2016)

3 Stadt Frankfurt: Übersicht über die Erkennungsmerkmale von Bleileitungen

4 Niedersächsisches Landesgesundheitsamt: Fragen und Antworten zu Blei im Trinkwasser

5 Presseportal: Artikel zum Thema Austausch von Bleirohren

 

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